Der um 639 in Northumbria (Nordengland) geborene Egbert (auch Ecgbert genannt) begab sich in seiner Jugend auf Pilgerreise nach Irland, wo er im Benediktinerkloster Rathmelsigi (dem heutigen Mellifont) wirkte. Als 664 eine schwere Seuche die meisten Mönche von Rathmelsigi dahinraffte, gelobte Egbert – den Tod vor Augen – im Falle seiner Genesung nie wieder in seine Heimat zurückzukehren, sondern eine Missionsreise zu den heidnischen Germanen anzutreten.
Auf wundersame Weise gesundet, zwang ihn jedoch die Zerstörung seines bereits für die Reise gerüsteten Schiffes durch einen plötzlichen Sturm (der Legende nach ein Zeichen Gottes) zur Aufgabe seines Vorhabens. Fortan war es seine Bestimmung, in der Ausbildung von Missionaren tätig zu sein. Unter den zwölf Glaubensboten, die sich 690 von Rathmelsigi nach Friesland aufmachten und dort mit großem Erfolg wirkten, waren auch seine Schüler Willibrord (658–739; hl.) und Suitbert (Swidbert; hl; um 637–713).
Ab 716 lebte Egbert im Kolumbankloster auf der Insel Hy (heute Iona, Innere Hebriden), wo er trotz des keltischen Widerstandes die römische Osterpraxis und Liturgie sowie die Tonsur einführte. Er erlebte im hohen Alter von 90 Jahren noch die Erfüllung seiner irdischen Mission, denn am Tag seines Todes, dem 24. April 729, soll er – wie die Legende berichtet – unmittelbar zuvor den ersten Ostergottesdienst nach der römischen Liturgie auf Iona beendet haben.

Quelle: Herder-Verlag