Sebastianus-Bruderschaft in Werbach

Über die Bruderschaft:

Die Bruderschaft wurde nach der Überlieferung in einer Pestzeit gegründet. Aufgabe ihrer Mitglieder war es, die Pesttoten zu begraben. Der Zeitpunkt der Entstehung ist nicht bekannt.1548 erste schriftliche Erwähnung im Visitationsprotokoll des Landkapitels Taubergau aus dem Jahre 1549. Die schriftlichen Aufzeichnungen der kirchlichen Bruderschaften gehen kaum über das 15. Jahrhundert hinaus. Die meisten Mitgliedsbücher, auch unseres, wurden im 16. und 17. Jahrhundert angelegt.Der Stiftungsbrief unserer Bruderschaft ist ausgefertigt am 10. November 1661. Die mündliche Überlieferung sagt folgendes:Nach einer großen Pest seien in Werbach nur noch 9 Männer übriggeblieben. Die wenigen Überlebenden hätten dann die Bruderschaft gegründet und gelobt, die Pestkranken zu pflegen und die Pesttoten zu beerdigen. Daraufhin habe der Tod die wenigen verschont. Von den wenigen Männern stamme auch die Zahl der 8 aktiven Brüder her.In den Jahren 1754 bis 1788 wurden von den Brüdern die Mäntel für die Beerdigungen angeschafft. Im Jahre 1790 steht folgender Eintrag: "Peter Adam Vogel ist gestorben 6 ten März. Ist von seinen Mitbrüdern zur Leicht begleitet, getragen und geleuchtet worden". So geschieht das auch heute noch.Erst 1952 wurden die 1754 angeschafften Mäntel durch neue ersetzt. Ebenso wurden in diesem Jahr neue Laternen und Leuchten gekauft.Es ist nicht bekannt, ob sonst noch irgendwo in der näheren oder weiteren Umgebung eine Bruderschaft in dieser Art besteht, wie wir sie hier in unserem Dorf haben.Die Aufgaben der Bruderschaft fußen auf dem Stiftungsbrief aus dem Jahre 1661. Allgemeine Pflichten der Bruderschaft a) Feier des Festes des hl. Sebastianus mit Hochamt und Sakramentsprozession.b) Feier des Festes des hl. Bonifatius mit Sakramentsprozession.c) Bei gewöhnlichen Beerdigungen leuchten die vier jüngsten Brüder die vom Brudermeister bestellt werden. Auch die Träger werden von ihm angerichtet.Bei Beerdigungen von Brüdern und Schwestern führen die vier jüngsten Brüder den Sarg, die vier nächsten Brüder leuchten mit den Laternen und die vier nächsten Brüder leuchten mit den Leuchtern.Das beschlußfassende Organ der Bruderschaft sind die aktiven Brüder unter der Leitung des Brudermeisters. Nur Beschlüsse die den Bestand der Bruderschaft betreffen oder eine große Änderung in den überlieferten Aufgaben bringen, bedürfen der Genehmigung der gesamten Brüder.Ihr Dienstanzug ist Gehrock und Zylinder. Nach  althergebrachter Sitte ist der Gruß der Bruderschaft: " Gelobt sei Jesus Christus ! "
 
Als Dokument:

Festtag zur Ehre des Heiligen Sebastianus: 

Die Bruderschaft ehrte am Sonntag, den 19. Januar 2025 mit einem feierlichen Hochamt ihren Namensgeber und gedachte den lebenden und verstorbenen Mitgliedern.Die Sebasitianus-Brüder und ihre Familienangehörigen, Pfarrer Arul, Diakon Holzhauer und die Gläubigen hörten aufmerksam den Predigtworten von Diakon Michael Raditsch zu.Der Festprediger wurde von Dr. Dennis Sankat (dem amtierenden Brudermeister) vorgeschlagen. Die beiden kennen sich von der Arbeit im Caritas-Krankenhaus (Tauberbischofsheim, Bad Mergentheim). Diakon Raditsch zog Parallelen zwischen der Bruderschaft in Trier,( BBT Barmherzige Brüder in Trier) zu der er selbst eine persönliche Beziehung hat und der Bruderschaft in Werbach. Steht bei den Barmherzigen Brüdern und dessen Gründer Peter Friedhofen der Dienst an den Kranken im Vordergrund, so ist es hier der Dienst, die Toten zu Grabe zu tragen. Er erwähnte das Märtyrium des Heiligen Sebastian und schilderte seine Berührungspunkte mit dem Pest-Heiligen.  Raditsch war sellbst in Rom, bei den Katakomben Domitilla, den frühchristlichen unterirdischen Begräbnisstätten, wo sich auch das Grab des Heiligen befindet und die Kirche San Sebastian.Am Ende seiner Ausführungen dankte er für den Dienst der Sebastianus-Bruderschaft in der Gemeinde Werbach.Nach dem Kommunionempfang trugen die Sebastianusbrüder eine Figur des Pest-Heiligen und den Himmel bei einer Prozession mit dem Allerheiigsten zum Marktplatz und wieder zurück in die Pfarrkirche.--> Siehe Bildergalerie!Nach dem Schlußsegen bedankte sich Pfarrer Arul bei den vielen Beteiligten und hoffte, niemand vergessen zu haben.Ich schreibe das mit meinen Worten: Vielen Dank gilt dem Kirchenchor mit seiner Leiterin, der Organistin, den Musikern des Muskivereins für die musikalische Gestaltung von Gottesdienst und Prozession.Den Ministranten, die ihren Dienst das ganze Jahr über verrichten und Hochfeste durch ihre Anwesenheit einen besonderen Glanz verleihen,  sei gedankt. Aber auch Mesner, Kirchenschließdienst, Blumenschmuck, ...allen, die rund um das Fest aktiv waren und auch das ganze Kirchenjahr über oft in Stille und ohne großes Aufhebens ihre Aufgaben erfüllen.
Ein herzliches Vergelt´s Gott! (Text: Birgit Kuhn)
 
GEBET: Schütze gegen alle Feinde unsre gläubige Gemeinde, Heiliger Sebastian! Nimm bei Gott dich unser an! Hast für Jesus stark gefochten, dir den Siegeskranz geflochten; für den Glauben, voll von Mut gabst du dein unschulidg´ Blut. Gegen falscher Götter Ehre setztest du dich ernst zur Wehre; nur für Jesus glühtest du, führtest nur ihm Seelen zu. Bitte für uns arme Sünder, schütze uns und unsre Kinder! Heiliger Sebastian, nimm bei Gott dich unser an!
(Quelle:Heftchen St. Sebastian, Heiligengeschichte und Legende, Andacht und Lieder zu Ehren des Hl. Martyrers)